Montag, 8. Mai 2017

Ein großes Lavendelkissen

Heute will ich einen neuen Eigenentwurf zeigen und die Schritte zur Entstehung einzeln erklären. 

Da ein Familienmitglied in Kürze 90 Jahre alt wird, überlegte ich, womit ich der alten Dame eine Freude machen könnte. Die Wahl fiel auf ein großes Lavendelkissen für einen guten Schlaf. Das Kissen sollte 20 cm x 20 cm groß werden.

Hier das Rezept:

Man nehme ...

Stoffreste aus dem eigenen Vorrat
Stoffmalstifte
getrockneten Lavendel
eine gehörige Portion Fantasie
etwas Geschick
Nähmaschine und was man sonst noch an Werkzeug zum Nähen braucht (ist in Nähkreisen  alles hinlänglich bekannt)

und lege los:


Zuerst suche ich eine schöne Schrift aus, Die Wahl fällt auf "Harrington". Den gewünschten Schriftzug schreibe ich senkrecht mit dem PC, drucke ihn aus und übertrage ihn mit Stoffmalstift auf hellen BW-Nessel, der leicht durchscheint. Darunter zeichne ich eine Blumenranke mit kleinen Vögelchen, die ich vorher dunkel auf Papier aufgezeichnet habe. Durch Einscannen, Spiegeln und Ausdrucken lässt sie sich mal rechts- mal linksherum übertragen.
In meiner Nähgruppe werden immer Stoffreste ausgetauscht, die man nicht mehr braucht. Darunter befindet sich die alte Tischdecke einer Mitnäherin, aus der ich nur den türkisfarbigen Streifen wähle. 


Die Streifen werden angenäht und rechts und links passend abgeschnitten. Nun suche ich aus meinen Stoffresten einen türkisfarbigen Stoff zur Ergänzung des auf der Spitze stehenden Quadrats aus. Nach dem Annähen wird das Quadrat exakt zugeschnitten. Dazu verwende ich eine quadratische Papierschablone, die ich mir vorbereitet habe (20 cm x 20 cm + allseitige Nahtzugaben von je 1 cm).


Wie soll nun die Rückseite des Kissens aussehen? Zunächst lege ich Stoffreste dazu und wähle zum Schluss diese Farben, die auch als feine Streifen auf der Vorderseite vorkommen:


Nachdem ich festgelegt habe, dass die Vorderseite den Mittagsschlaf (Siesta) begleiten soll, ist jetzt die Nachtseite dran. Dazu patche ich den ausgewählten Stoff in Streifen zusammen, dieses Mal nicht senkrecht, sondern quer verlaufend. Mit derselben Schrift "Harrington" beschrifte ich die Nachtseite des Kissens. Hier träume ich schon mal von kleinen dekorativen Elementen ...


Ich nähe die weiteren Streifen an - in Patchworktechnik - und stecke die beiden Hälften der Rückseite erst nur mit Stecknadeln zusammen, denn darunter soll noch ein Klettband kommen, das das Kissen dicht verschließt, damit der Lavendel nicht herausfallen kann. Die Dreiecke, unter die ich Druckknöpfe nähen will, sind nur zur Dekoration gedacht.
Auf dem Stoff sieht man schon, dass er bald auch quadratisch ausgeschnitten wird.



Vorder- und Rückseite des Kissens werden rechts auf rechts zusammengenäht.


Hier noch auf links - die Vorderseite des Kissens:



Ich entscheide mich für weiße Dekoknöpfe, weil sie farblich zur Schrift passen. Darunter nähe ich große Druckknöpfe an.



 Das Kissen ist fertig genäht.


Details unter der Lupe:




Auch die Rückseite soll noch bemalt werden. Ich probiere auf Schnipseln einfach aus, was mir gefallen könnte. Dann führe ich das Erprobte am fertigen Kissen aus.



Inzwischen habe ich günstig Lavendel eingekauft - 2,50 € für 100 g. Andere Leute kochen sich wohl Tee daraus.



Das Kissen ist fertig bemalt, mit heißem Bügeleisen fixiert und kann nun gefüllt werden.




Ja, genau das denke ich jetzt beim Schreiben auch gerade - GUTE NACHT! Das Datum hat beim Bloggen gewechselt. Zeit, ins Bett zu gehen!



Nett sieht das Kissen auch aus, wenn man es an einer Ecke festhält, herabhängen lässt, so dass sich der Lavendel in der anderen Ecke sammelt. Denn dann kann man es an der leeren Ecke nach hinten umknicken und - nach alter Oma Sitte - so auf den Nachttisch stellen:



Und wenn Du nun Lust bekommen hast, Deine Stoffreste auf ähnliche oder eine andere Art zu einem Lavendel-Gute-Nacht-Kissen zu verarbeiten, würde ich mich riesig über ein Feedback in meinen Kommentaren freuen! Schicke mir gern auch Fotos von Deinen realisierten Träumen!

Mail @
yin(minus)yang(minus)balance(ätt)arcor(punkt)de

Dienstag, 2. Mai 2017

Zweimal glücklich

Heute hatte ich mittags das Gefühl, dass zwei Menschen glücklich sind. Die Tasche "Energy Spiral" habe ich heute Morgen an die Auftraggeberin überreicht, dann darum gebeten, mein "Baby" noch einmal fotografieren zu dürfen, und zwar auf ihrem grünen Sofa - voilá:


Möge sie der Trägerin allzeit Glück bringen!

Freitag, 28. April 2017

Vom Traum zur Wirklichkeit - Goethe und die Magie

MAGIE
„In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch.
Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären, geschehen, um einem zu helfen.
Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung, und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materielle Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte.
Was immer Du kannst, oder dir vorstellst, dass du es kannst, beginne es.
Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie.
Beginne jetzt!
 Goethe 


Dieses Zitat von Goethe entdeckte ich gestern auf Sheepys Blog und ich erlaube mir, es heute auch für mein Blog zu verwenden. Denn ... es passt zu 100% auch hierher! (Okay für Dich, Kerstin, dass ich das Zitat und die Freude daran mit Dir teile?)
Denn - wie kam es zu meinen Ideen, die ich hier in ihrer Verwirklichung zeige? 
Am Anfang war immer ein Traum. Außerdem der Wille, alles auf eine Karte zu setzen, mich nicht mehr mit vielen verschiedenen Dingen zu verzetteln, nicht mehr in der Vielfalt zu ertrinken, in der ich die Orientierung verliere.
Ich verschrieb mich "endgültig einer Aufgabe" (wie Eva am Nordkap). Und damit kam die Bewegung der Vorsehung in Gang. 
Drucke gelangen so gut, dass ich sogar die Proben verwenden konnte. Stoffe flogen mir zu, weil ich meine Projekte überall zeigte. Es kamen Krawatten aus dem Nachlass eines Herrn, es kamen Reste von Mitnäherinnen, es kamen Aufträge, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Aufträge, die mir die Freiheit der Gestaltung ließen, die aus meinen Träumen auftauchten. 
Ich bin glücklich, dass ich so kühn war, "begonnen zu haben".
Und ich beginne mit jedem Tag in meinen Werkstätten neu.
Denn: Die Welt der Träume ist die Welt der Unendlichkeit! So kann die Ideenwelt niemals versiegen.

Rêvant-Uli bleibt am Ball ... 😉

Kosmetiktücherbox mit Spiralen

Bereits Ende März habe ich eine zweite Hülle für eine Kosmetiktücherbox hergestellt, die ich heute zeigen möchte. Die Tücherbox steht in der Küche neben einem weißen Krug, der mit gelben Spiralen bemalt ist. Dazu soll die Box passen. Also geht es ab in den Keller in meine Druckwerkstatt.

Dort mische ich mir auf meiner Glaspalette zuerst die Farbe, die zu den gelben Spiralen passt.


Als Stempel benutze ich wieder die zuvor schon verwendete Spirale, außerdem einen Stempel mit kurzen Streifen und einen kleinen Schaumstoffstempel, der Punkte drucken soll. 



Der Stoff, von dem ich ja nicht viel brauche, ist schnell bedruckt. Zum Trocknen hänge ich ihn vor einen Heizlüfter, denn ich will ihn bald zum Nähen verwenden. Vor dem Verarbeiten wird er richtig heiß gebügelt, so dass die Farbe fixiert ist und der Stoff auch gewaschen werden kann.

Als Druckunterlage habe ich wieder den fein gestreiften BW-Stoff verwendet, aus dem ich schon die erste Wendehülle fürs Bad genäht habe.
 


So sieht die fertige Hülle dieses Mal aus:



Für die Innenseite habe ich einen Blümchenstoff verwendet, den ich in der Restekiste unserer "Nähstube" fand, in der ich mich wöchentlich mit anderen Hobbynäherinnen treffe. Wir tauschen immer wieder Reststoffe aus.

Da die Hülle eine Wendehülle ist, kann man sie auch mal mit Blümchenstoff verwenden, wenn man Lust hat.





Ein kleines Geschenk - von gestern auf heute

Die nette Verkäuferin aus unserem Zeitschriftengeschäft hatte heute ihren letzten Arbeitstag. Sie geht in die wohlverdiente Rente nach 51 (!) Arbeitsjahren. Ich erfuhr es erst gestern Nachmittag. Sie hat mir so oft Sonderwünsche erfüllt, war immer so aufgeschlossen und nett, hatte stets einen aufbauenden Spruch auf Lager - dieser Frau wollte ich gern ein kleines Geschenk zum Abschluss überreichen. So kam ich gestern aus meiner Nähstube vor fast Mitternacht nicht heraus und beglückte mich selbst mit einem Farbenrausch, den ich wohl intuitiv richtig zusammenstellte.


Aus dem Schnipselstapel wird wieder ein Grundstoff zusammengestellt. Dieses Mal betone ich alle geraden Linien mit rechts und links parallel dazu genähtem Geradstich.

Vorderseite

Auf der Rückseite müssen die am Ende der Geradstichlinien mitten im Stoff endenden Fäden verknotet werden.

Rückseite mit verknoteten Fadenenden

Für das Futter wähle ich dieses Mal einen dünnen Futterstoff in Schwarz, der die Farbigkeit des Außenstoffs noch mehr unterstreicht. Er erscheint auf der Oberseite des Täschchens dann als Einrahmung der Öffnung.


Da der Schlitz beim Einfüllen der 10 Papiertaschentücher etwas sperrt, erhält er einen kleinen Verschluss. Dazu nähe ich eine Knopföse aus Stoff, auf die ich einen grünen Knopf (als Fake) aufnähe. Er dekoriert die Schlaufe lediglich. Darunter nähe ich einen schwarzen Druckknopf an, mit dem das Täschchen geöffnet und geschlossen wird.

Als Hintergrund für die folgenden Fotos diente mir mein neues Frühlingstuch mit dem Namen "Eukalyptustuch".



Die Rückseite des Täschchens

Das kleine Geschenk würde auch zu der vor ein paar Tagen gefertigten Handtasche passen.

Heute Mittag nun kam der spannende Moment der Übergabe. Die Beschenkte hat sich sehr gefreut ("Toll, da habe ich immer etwas, was mich an Sie denken lässt!") ... und ich erst - denn:

Sie trug ein schwarzes Oberteil und dazu einen apfelgrünen feinen Schal!

Neue Machart

Kein Teil wird wie ein vorheriges, selbst meine Techniken ändere ich oft von einem Projekt zum nächsten. Nur so bleibt der Spaß des Neukreierens erhalten. Und nur so bleiben die Ergebnisse originell, weil sie halt absolute Unikate sind.

Heute nähe ich ein Tachentuchtäschen, für das ich den Stoff von Anfang an selbst kreiere. Ein Haufen Schnipsel bildet die Ausgangslage.


Nach Lust und Laune füge ich nun Schnipsel zusammen, wobei Größe und Form keine Rolle spielen. Nur die Farben setze ich so zusammen, dass sich schöne Kontraste ergeben.

So setze ich ein Stück ans andere ... bis ein Stoffstück entstanden ist, aus dem ich nach dem vorhandenen Schnitt ein Rechteck ausschneiden kann.

Vorderseite
Die schäbigere Rückseite - sie erinnert mich an Eva Schmutterers Collagenrückseiten

Nun suche ich für den Futterstoff, der ja auf der Vorderseite später den Öffnungsschlitz umrandet, eine harmonierende Farbe aus und schneide ihn zu.



Bevor ich den Futterstoff annähe, gestalte ich den Außenstoff mit lustigen Mustern, die ich mit einem weißen Stoffmalstift auftrage.



Der Futterstoff wird rechts auf rechts auf den Außenstoff genäht und das Ganze wird umgestülpt. Nun wird direkt am Futterstoffstreifen entlang einmal mit Steppstichen genäht.


Gabriele zeigt in einem kleinen Video genau, wie's geht.

Der Verschluss ist nur mit einem Knopf dekoriert, darunter verbirgt sich ein Druckknopf, mit dem man das Täschchen öffnen und schließen kann.


Den Namen schreibe ich mit einem Stoffmalstift auf den Futterstreifen. So sieht das Täschchen von der anderen Seite aus:


Kreatives Chaos

Ihr wollt mal sehen, wie es bei mir aussieht, wenn ich gerade in einer kreativen Phase bin? Na dann ... bitte:


Stoffe, aus denen ich etwas zugeschnitten habe, auch die verschiedenen Bügelvliese und die Papierschnitte fliegen nach dem Zuschneiden einfach auf den Boden hinter mir. Am Bügelbrett wird geschnippelt, gebügelt, konfektioniert, auf dem Tisch unter dem Fenster wird genäht, auf dem rechten Tisch sind die meisten Werkzeuge zu finden. Wenn sie sich nicht mal wieder unter irgend etwas anderem verstecken.

Die Unordnung macht mir allerdings nicht viel. So lange ich gerade an einem Projekt arbeite. Dann aber muss ich dringend aufräumen, sonst macht mir der Beginn von etwas Neuem keinen Spaß. 

Allerdings liebe ich in manchen Dingen - aus praktischen Gründen - auch die Ordnung:


Ein Holzrest, ein paar Nägel reingehämmert und schon ist die geordnete Garnunterbringung fertig. Gepaart nach Ober- und Untergarnspulen. Bei den vielen Stoffen, die ich verarbeite, muss ich nämlich häufig das Nähgarn wechseln. Da ist es sehr hilfreich, wenn man viele Untergarnspulen hat, die man immer passend zum Obergarn zum Auswechseln parat hat.