Donnerstag, 20. Juli 2017

Nochmal Jeans!

Das zweite Kramtäschchen aus dem Jeanshemd ist fertig.

Dieses Mal habe ich mich für einen kräftigeren Farbkontrast entschieden. Nachdem ich eine unmodern gewordene Popeline-Wendejacke 


zerschnitten habe, aus der ich wegen des großen Schnitts allerhand Stoff erhielt (gleiche Menge in Schwarz und in Rot!), beschloss ich, diesen hochwertigen Stoff als Futter für das Jeanstäschchen zu verwenden. Dazu steppte ich ihn diagonal durch. Für das Innenfutter in "3 cm x 3 cm"-Quadraten, für das kleinen Innentäschchen wählte ich dann das Maß 2 cm.



Hier ist bereits das komplett genähte Täschchen zu sehen, kurz nach seiner "Geburt", dem Umstülpen durch die Wendeöffnung. Ja, das Durchstülpen ist jedes Mal der spannendste Moment beim Nähen einer Tasche. Sitzt alles richtig? Wie sieht die fertige Tasche aus? - Bis jetzt ist immer alles gut gegangen (und das soll es auch weiterhin).



Das fertige Täschchen sieht frisch und lebendig aus. Es passt gut zu Frauen, die gern Jeans tragen und diese mit rotem Beiwerk aufpeppen (Schuhe, Gürtel, T-Shirt ...). Rot in Kombination mit Jeansblau verjüngt!



Das Innenleben:



Noch in trauter Zweisamkeit - das rechte Täschchen wechselte heute den Besitzer:



Ein Sommerfoto im Garten:


Die Sache mit der Magie

Heute möchte ich Goethes Zitat noch einmal verwenden - das Zitat zur Magie:

MAGIE

„In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch. Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären, geschehen, um einem zu helfen. 
Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung, und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materielle Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte. 
Was immer Du kannst, oder dir vorstellst, dass du es kannst, beginne es. 
Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie. 
Beginne jetzt!"
 

J. W.. v. Goethe 



Warum hole ich heute dieses Zitat noch einmal her?
Ganz einfach ...
es bestätigt sich ... VIELFACH!!!

So möchte ich Euch erzählen, was inzwischen wieder passiert ist:

Ich hatte mir im Mai ein kleines Tagebüchlein in den Urlaub mitgenommen und darin alle möglichen Wünsche notiert. Darin schrieb ich  am 14.6.17 den Wunsch, dass ich gern eine neue Nähmaschine hätte. Meine alte Singer lässt nach inzwischen etwa 35 Jahren seit Anschaffung deutlich nach. Zuerst brach der Tragegriff ab, dann ein Fuß, der zweite hat schon einen deutlichen Riss, außerdem wünschte ich mir noch einige Komforteigenschaften, z. B. einen Fadenabschneider, ein leiseres Laufgeräusch, eine höhere Standfestigkeit, elektronisch einstellbare Stichlängen, Stichbreiten und noch dies und das mehr.

Warum nun habe ich in dem Goethezitat materielle Hilfen fett gesetzt?

Nun, ich erzähle es jetzt. Nein, zuerst möchte ich die "beim Universum bestellte Ware" vorstellen. "Geliefert" wurde mir das hier (und zwar am 15.7.17, also einen Monat und einen Tag später):


Es handelt sich um eine hochwertige Maschine, die zwar schon einige Jahre alt ist, aber im Grunde nie gebraucht wurde. Den jahrelangen Dornröschenschlaf darf sie nun beenden, denn ich habe sie wachgeküsst und sie darf mir nun fleißig zu Diensten sein.

Ich bin ja sooo dankbar!

Ich bekam die Maschine geschenkt, da die Vorbesitzerin keine Verwendung mehr für sie hat. Da sie meine Leidenschaft fürs Nähen erkannt hat, war sie der Meinung, ich könne doch mehr mit der Maschine anfangen. Was für eine wunderbare Fügung!!! (Sie bekommt von mir eine Wunschtasche - die ich ihr liebend gern nähe!)

Nun zu der Maschine:

Es handelt sich um eine Maschine der schwedischen Firma HUSQVARNA (was denn sonst bei meiner Liebe zu Skandinavien??). Die genaue Modellbezeichnung: VIKING 415 Freesie. 

Für die einzelnen Einstellungen verfügt die Maschine über ein elektronisches Display. Hier kann man Stichlängen und Stichbreiten einstellen, außerdem einen arretierbaren Rückwärtsgang, eine Vernäh -(Verriegelungs-)Funktion. Die Anzeige gibt auch an, welches von sechs verfügbaren Nähfüßchen man bei der jeweiligen Stichwahl einsetzen soll. Auch die empfohlene Fadenspannung wird angezeigt.



Die Untergarnspule befindet sich unter einem durchsichtigen Schieber, der einem ermöglicht zu sehen, wieviel Untergarn noch auf der Spule ist. Den Faden fädelt man mit Leichtigkeit ein, weil die Nadel vor hellem Hintergrund sitzt. Genial durchdacht!

Man kann die Maschine durch Abnehmen des Zubehörkastens (auf dem Foto hinten sichtbar) in eine Freiarmmaschine verwandeln.


Auf der Rückseite der Maschine befindet sich ein sehr scharfes Fadenabschneidemesserchen (orange), so dass ich nicht ständig nach einer Schere zum Abschneiden suchen muss, denn die liegt meistens woanders (häufig auf dem Bügelbrett, wo ich Vor- und Nachbereitungsarbeiten durchführe). Der Nähfußheber ist sehr handlich und lässt sich für bestimmte Funktionen auch in unterschiedliche Stellungen bringen.



Unter der Klappe versteckt befindet sich der schräg herausschwenkbare Garnrollenhalter. Man kann die Garnrolle auf einem beigelegten Extrahalter auch senkrecht anbringen. Das Aufspulen des Untergarnfadens ist möglich (rechts am Bildrand ist der schwarze Spulenhalter sichtbar) , ohne den Faden aus der Nadel ziehen zu müssen - sehr komfortabel!



Hier werden die 15 zur Wahl stehenden Stiche angezeigt, die man über das Display auswählen kann. Die Stiche ermöglichen einfache Verzierungen, Applikationen, Knopflöcher, Festonkanten, Stopfarbeiten und mehr.



Doch ist es damit noch nicht genug. 

Als ich heute meine "Nähstube" besuchte (eine kleine Gruppe nähsüchtiger Frauen mit einer Schneiderin, die uns unterstützt, wenn wir Fragen haben), war für mich mal wieder "Weihnachten", denn eine Mitnäherin hatte zuhause aufgeräumt und wollte Stoffmuster loswerden. 

Da liegen sie nun in meiner Druckwerkstatt. Ich habe sie erst mal alle angeschaut. WAS FÜR EIN FUNDUS! Die Kreativzellen in meinem Gehirn tanzen schon wieder Walzer!!!

Ich "träume" schon von Stiftetuis, kleinen Applikationen auf größeren Taschen (und mal sehen, was da sonst noch kommt).




"Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung, und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materielle Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte."


... was ich zu 100% bestätigen kann!!!
So geschieht
MAGIE!

Freitag, 14. Juli 2017

Alles Handarbeit!

Gestern hatte ich von der Gestaltung zweier Jeansstoffe mittels Stoffdruck berichtet. Heute Morgen war die Farbe trocken und konnte mit dem Bügeleisen fixiert werden. Im Hintergrund ist der Taftstoff zu sehen, aus dem das Futter genäht werden soll.


Auch der zweite zugeschnittene Stoff hat bereits ein Gestaltungselement hinzubekommen. Die Pünktchen zwischen den Spiralen sind nicht weiß, sondern glänzen silbern. 



Hier kann man sich das Aussehen der fertigen Täschchen schon besser vorstellen. Ich beginne mit dem Nähen der rechten Tasche.



Zuerst gestalte ich den Futterstoff aus dem Taft. Dazu wird der Stoff von hinten mit Bügelvlies beklebt und dann - dem Muster entsprechend - ganzflächig diagonal durchgesteppt.
Der Unterschied ist auf dem folgenden Foto zu sehen. Im Hintergrund der unbearbeitete Taftstoff, rechts die Steppung von rechts oben nach links unten, links ist bereits die zweite Steppung begonnen.
Durch das hinterlegte voluminöse Bügelvlies wirkt der Stoff gepolstert und gibt dem Täschchen später Stand.



Hier noch einmal die Wirkung bei schräg von rechts kommendem Licht:


Und die Unterseite:



Der Reißverschluss ist fertig eingenäht. Außerdem habe ich ein kleines Innentäschchen aus dem Futterstoff genäht, dabei aber die linke Stoffseite als Außenseite verwendet, so dass sich das Täschchen farblich etwas absetzt (schwarze Elemente statt hellgraue).




Beim Auf- und Zuziehen des Reißverschlusses ist es hilfreich, wenn man das Täschchen an den Schlaufen aus Taftstoff festhalten kann.



Das Innenleben:



Zum Schluss erhält das Täschchen meine Künstlersignatur. Wer es bekommt, hat ein Unikat in der Hand, denn ich arbeite kein einziges Täschchen zweimal.



Das war aber mal Zeit!

Ordnung ist das halbe Leben ...

so lehrten es uns damals unsere Eltern, als wir noch erzogen wurden. Und die andere Hälfte? So fragte ich mich damals. Unordnung??? Nein - heute weiß ich es: KREATIVITÄT. Und weil die auf dem Mist der Spontaneität blüht, dort, wo ALLES möglich ist, muss es auch mal unordentlich sein. Wenn es dann allerdings an die Arbeit geht (ich habe zwei Wichtel, die solcherlei Sparbeit nennen - von Spaß bei der Arbeit oder sparsame Arbeit = ohne Energieverschwendung), da kann dann Ordnung sehr hilfreich sein. Sonst liegen einem ständig in die Gegend geworfene Werkzeuge und Materialien im Wege.

Also muss das Aufräumen nach einigen Arbeitsschritten immer wieder mal sein. Bei mir stellt sich immer dann das freudige Bedürfnis zum Aufräumen und Ordnen ein - quasi ganz von selbst - wenn ich merke, dass ich mit der Arbeit nicht mehr gut vorankomme. Sei es, dass mir ständig etwas vom Bügelbrett fällt oder dass ich sockenfüßig in eine Stecknadel trete (AAAAAUTSCH!!!) oder dass das Dampfbügeleisen den Rauchmelder auslöst. Alles Zeichen fürs Innehalten, Achtsamwerden und dann ... AUFRÄUMEN.

So bekam ich gestern Lust, mal gründlich meine gesammelten Stoffe durchzuforsten und nach Stoffarten sortiert zu stapeln. So sah es anschließend aus:


Die Stoffe sind bunt gemischt. Manche habe ich durch Tausch bekommen, andere wurden mir geschenkt, wieder andere habe ich mir für gutes Geld gekauft, kleinere Stücke sind aus alten Kleidungsstücken herausgeschnitten. Sortiert habe ich sie nach Stoffarten (Baumwolle uni / bedruckt, Leinen, Wolle, Viskose, beschichtete Stoffe, Taft, Jersey). 

Der wohl teuerste Stapel ist dieser hier, in dem sich wunderschöne Drucke befinden, die ich unterwegs entdeckt habe:


Für meine Taschen brauche ich selten richtig große Stoffstücke, denn in Taschen kann man ja kleinste Stücke noch dekorativ einarbeiten.

Nach dem Ordnen der Stoffe - ich weiß noch nicht, wo ich sie nun so geordnet aufbewahren werde, aber auch das PRO-blem wird sich lösen - nahm ich mir meine Taschennähliteratur vor:


Mein erstes Nähbuch, das alle nur denkbaren Techniken erklärt, ist uralt und noch heute sehr begehrt: Alles selbst genäht von Reader's Digest.
Darüber liegen aktuelle Patchworkhefte, in denen auch Taschen erklärt werden. Da ich nicht anstrebe, viel Patchwork zu nähen, dienen sie mir lediglich als Ideenpool für Taschenschnitte, für die man gepatchte Stoffe verwendet.


Auf dem zweiten Foto sieht man oben links zwei Bücher zum Nähen von Taschen. Sie erklären (teilweise in Fotos) Schritt für Schritt, wie man bestimmte Modelle näht. Rechts daneben liegen zwei Bücher und ein Heft zum Selbstgestalten von Stoffen (Stoffdruck, Frico-Transfer, Homedeco mit Stoffdruck). Die Nähbibel - eine aktuelle Zeitschrift - erklärt viele Nähtechniken von der Pike an.

Nun rasch wieder an die SPARBEIT!!


Ordnung ist das halbe Leben ...

sonst bleibt man im Chaos kleben!


Donnerstag, 13. Juli 2017

Im Tausch - Kramtäschchen gegen Pullover

Eine Bekannte aus meiner Nähgruppe hat zuhause ausgemistet. Sie strickt auch Pullover. Einen davon schenkte sie mir, weil er mir viel besser steht. Sie hat ihn wohl schon lange nicht mehr getragen, weil sie meint, dass er nicht mehr zu ihr passt.

Zum Ausgleich dafür bot ich ihr an, ein Kramtäschchen für ihre Einkaufstasche zu nähen. Diese kleinen Täschchen sind unheimlich praktisch, denn so haben Schlüssel, Lippenstift, Kaugummi und anderer Kleinkram immer einen festen Platz und man muss nicht in der großen Tasche danach suchen. Außerdem kann man das Kramtäschchen beim Wechsel zu einer anderen großen Tasche einfach in diese Tasche stecken.

"Was magst du denn so?", fragte ich also meine Bekannte. "Hast du einen Stoffwunsch? Farbwünsche?"

"Ach, ich mag gern Jeans", sagte sie und ich dachte gleich an die beiden Jeanshemden, die neulich jemand aus meiner Nähgruppe entsorgen wollte. Daraus kann man wunderbar kleine Taschen nähen.
Nun ist mir aber das einfache Zuschneiden eines schlichten Jeansstoffs und das Nähen eines Täschchens daraus zu anspruchslos. Das macht keinen Spaß. Meine kreative Ader kommt nicht zum Zuge. 

Also wurde mit Stofffarben, Stempeln, Stoffstiften herumgespielt. Ein erstes Ergebnis möchte ich heute zeigen.

Auf dem folgenden Foto erkennt man den mehrfachen Abdruck eines Stempels mit leuchtend-blauer Farbe. Dazwischen habe ich mit schwarzem T-Shirt-Stift Linien gezeichnet, die man auch weglassen könnte. Da mir das Ergebnis zu starr war, habe ich noch ein paar weiße Pünktchen auf die Kreuzungspunkte gesetzt, die das Gesamtbild lebendiger, fröhlicher machen.
Darunter sind drei Quadrate mit Pünktchen gestempelt, in die ich jeweils noch einen lila Punkt mit Stoffmalstift gesetzt habe. Mit einem schwarzen Wäschemarker kann man sehr gut seine Signatur einfügen.



Auf dem nächsten Foto habe ich die Farbe ROT mit Weiß vermischt, was zu einem dunklen Rosa führte. Dieses habe ich mit einem Rautenstempel mehrmals abgedruckt. Dabei habe ich verschiedene Effekte ausprobiert: Umrandungen mit weißem oder schwarzem Stoffmalstift, kleine Effekte mit einem türkisfarbigen Fashion-Liner mit Shimmer Effect, die nach dem Abtrocknen noch erhaben stehen bleiben.



Für die nächste Probe habe ich Weiß und Schwarz vermischt und einen Zickzackstempel mal senkrecht, mal waagerecht abgedruckt. Anschließend habe ich wieder farbige Akzente mit Stoffmalstiften gesetzt.


Heute traf ich nun die Bekannte wieder und legte ihr die Proben vor. Sie entschied sich für den grauen Zickzackstempel. Darauf wünschte sie an jeweils einer Stelle auf der Vorder- und Rückseite des Täschchens eine Betonung der grauen Wellen mit einer türkisfarbigen Linie, wie sie auf dem Foto oben zu sehen ist (die zwei rechten Quadrate der untersten Reihe).

Inzwischen habe ich das zugeschnittene Stück Stoff bedruckt. So sieht es aus - noch nicht getrocknet, was erklärt, warum die Farbe des Shimmer-Stifts noch so erhaben ist:


Der frisch aufgetragene Strich des Effektstiftes

Da ich noch sehr viel Farbe auf meiner Farbpalette hatte und diese nicht wegwerfen wollte (sie ist ja recht teuer), bedruckte ich gleich noch ein zweites Stück Stoff. Ich nutzte einen früher schon verwendeten Spiralstempel, den ich in unregelmäßigen Abständen - unterschiedlich gedreht - auf den Stoff setzte.



Anschließend setzte ich rote Farbakzente mit einem Stoffmalstift. Die Farbe muss noch trocknen und wird dann flach erscheinen. Diese Tasche wird einen roten Reißverschluss bekommen.


Die Nährbeiten werde ich in einem zweiten Blogpost darstellen.

Sonntag, 2. Juli 2017

Wahres Glück entsteht immer aus dem eigenen Inneren!

Oder ...

KREATIVITÄT : MAINSTREAM
=
1 : 0


Liebe(r) Blogbesucher(in),

ich weiß nicht, wie Du auf dieses neue Taschenprojekt von mir reagiert hast. Vielleicht bist Du beeindruckt. Vielleicht aber ... na ja ...


Nun - eines vorweg - dieses Projekt hat mich zwei Tage schlimme Rückenschmerzen gekostet. Wieso das? Ich verstand es selbst nicht, da mich bisher meine Taschenprojekte immer sehr belebt haben und es mir immer sehr gut dabei ging.

Also setzte ich mich mal ganz ruhig hin und schaute in meinem Inneren nach. Was war da los? Wann fing das an?

Wie kam es zu dieser Tasche?
Ich sah in einem Patchworkheft eine Tasche mit dem Titel “Hüttenzauber”. Ich möchte sie hier aus urheberrechtlichen Gründen nicht abbilden, sie nur beschreiben. Auf der Tasche waren ländlich-rustikale Motive und Muster angeordnet. Der Stoff stellte für sich schon eine Art fertiges Patchwork dar. Sicher war der/die Designer/in zutiefst glücklich, als er/sie den Stoff fertig entworfen hatte.

Mir gefiel die Tasche auf Anhieb. Sie sah irgendwie gemütlich aus, man hatte so viel anzuschauen, das machte sie interessant.

Ein paar Tage später schlenderte ich gemütlich durch unsere Nachbarstadt und entdeckte obigen “Gemüsestoff” in meinem Lieblingsstofflädchen. Er war ähnlich gedruckt, halt auch im Patchworkstil. Er war gar nicht teuer. 3,50 € für gerade so viel Stoff, dass er für genau die Tasche und ein Kramtäschchen dazu reichen sollte. Die Filetspitze fand ich zu grob, hatte auch keine Lust, eine zu häkeln, also kaufte ich eine geklöppelte (klöppeln kann ich nicht) in meinem Handarbeitsladen. Dann ging es ans Nähen. Ich hielt mich genau an die Anleitung.
Dabei empfand ich einige Widerstände.
  1. hatte der Stoff Knicke, die nicht mal durch Dämpfen zu beseitigen waren
  2. enthielt er einen großen Anteil Polyester (daher war er wohl auch so billig) und war  recht steif und hart
  3. sollte der Stoff mit Volumenvlies und Schabrackenvlies (nacheinander) unterbügelt und dann gequiltet werden – dabei schimpfte ich ständig vor mich hin “Nee, quilten ist nicht mein Ding, nee, gar nicht!” Die Fußbewegungen auf dem Nähmaschinenpedal waren von großer Anspannung im ganzen Körper begleitet, denn jeder Neuansatz musste ein paarmal vor- und zurückgenäht werden, damit die Fäden halten und die Nähte nicht auftrieseln. Natürlich hat das Quilten eine tolle Wirkung, es macht den Stoff plastischer – aber ich kam später drauf, warum das alles nicht mein Ding ist.
  4. gelang mir das Futter (aus dem gelben Stoff) beim ersten Mal nicht. Ich hatte die falschen Seiten zusammengenäht, so dass es zu lang und zu schmal wurde. Okay, daraus entstand dann der Brötchenbeutel. Das Futter musste ich noch einmal nähen.
  5. rollte sich die Spitze hoch und ich musste sie mit feinen Stichen am Untergrund befestigen.
Am zweiten Tag dieses Projekts hatte ich gegen Abend fürchterliche Rückenschmerzen. Mir war erst nicht klar, warum, doch nach meinem rückblickenden Brainstorming (siehe 1. – 5.) ging mir eine Laterne auf:
Nur meine Von-Grund-auf-Eigenkreationen haben eine belebende Wirkung auf mich!
Kannst Du das nachvollziehen?
So gehe ich auch hin und wieder über Basare, Ausstellungen etc., wobei mich – ja, ich möchte sagen, grundsätzlich – nur solche Sachen ansprechen, an denen man erkennt, dass jemand ganz aus sich heraus, also schöpferisch tätig geworden ist. An denen ich “seine persönliche Handschrift” erkennen kann.
Neulich war ich mit meinen Strickfreundinnen zusammen. Eine von ihnen hat lange Zeit auch Taschen und Quilts genäht. Ich bekam auch einiges zu sehen. Ich wunderte mich, dass mich nur wenig ansprach. Als wir aber in ihr Terrassenzimmer kamen, sah ich an der Wand einen total irren Wandbehang. Meine Freundin sagte dann dazu: “Ich liebe es ja, Sachen aus Heften nachzuarbeiten, aber diesen Wandbehang habe ich mal so ganz frei erschaffen – ganz ohne Plan, einfach so drauflos aus allen Resten, die ich so hatte.”

Ich habe ihr nicht gesagt, dass dieser Wandbehang das einzige Stück ist, das ich toll finde, aber ich habe ihr schon deutlich gemacht, dass ich den besonders toll finde. Er strotzte nur so vor Lebendigkeit und machte mir sofort gute Laune. Gleichzeitig habe ich gedacht - daran erinnere ich mich noch sehr gut! - dass ich ÜBERHAUPT keine Lust habe, Sachen aus Heften nachzuarbeiten.

Und doch habe ich es bei meinem jüngsten Projekt getan. Ui ui, ich habe mich verführen lassen vom Mainstream. Blöööd!
Aus dieser Erfahrung wird umgehend ein neues Projekt geboren ... es sitzt noch im Ei – das knackt aber schon deutlich. Lass Dich überraschen ...
Und noch eine sehr interessante Erfahrung: Ich brauche jetzt erst mal gar keine Stoffe mehr zu kaufen. Aus allen Ecken und Enden fließen sie mir zu, pass auf: 
  • In meiner sich wöchentlich treffenden Nähgruppe bringt immer wieder mal jemand abgelegte Stoffe und Stoffreste mit, mal aus einem Nachlass, mal selbst nicht mehr Gebrauchtes, was wir dann alle fröhlich miteinander austauschen.
  • Ein guter Freund (Witwer) hatte eine sehr kreative Frau mit außerordentlich gutem Geschmack. Von ihm bekomme ich immer wieder mal hochwertigen Stoff als Mitbringsel.
  • Eine Freundin Monika hat gründlich ausgemistet und dabei hochwertige Kleidung (teils Loden-, Wollstoffe, edle Blusenstoffe) vor der Entsorgung in der Altkleidersammlung mir angeboten.
  • Die Inhaberin eines Cafés hat mir angeboten, alte Tischdecken aus ihrem Café (gute skandinavische Ware) nicht wegzuwerfen, sondern mir zu geben. Sie haben hier und da mal ein kleines Loch oder einen leichten Fettfleck, sind aber teilweise noch zu verwenden.
  • Alle Bekannten und Verwandten erfahren von mir, dass ich abgelegte Krawatten gebrauchen kann. Nicht wegwerfen!
Mit all dem kann man unglaublich kreativ herumspielen. Selbst mit kleinsten Stoffschnipseln – da macht dann sogar Patchwork Spaß! Siehe dies (schon früher hier gezeigt):



Es ist mir eine Lehre daraus geworden - die Rückenschmerzen bessern sich bereits.

Wahres Glück entsteht immer aus dem eigenen Inneren!

oder

KREATIVITÄT : MAINSTREAM
=
1 : 0

Dieses neue Taschenset - das habe ich gerade beschlossen - wird nicht in meine Rêvant-Uli-Modellsammlung aufgenommen.

Montag, 26. Juni 2017

Eine Herrentasche mit Vorgeschichte

Vorweg eine erlebte Geschichte ...

Vor dem Urlaub begann ich eines der Wunschbücher von Pierre Franckh zu lesen. Sofort setzte ich seine Ratschläge um, kaufte mir ein wunderschönes Tagebuch, in das ich meine Wünsche eintragen wollte, um später noch zu wissen, was ich mir eigentlich gewünscht hatte und vor allem, wie ich meine Wünsche formuliert habe. Das ist beim Wünschen nämlich enorm wichtig, da das Universum wie ein Spiegel genau auf das reagiert, was wir gedacht haben. Im Wortlaut genau. Und das ist manchmal ziemlich lustig.

Ich schrieb also vor unserer Reise nach Norwegen in mein Wünschebuch, dass ich mir BEI Ommedal im Urlaubsort Stoffe zum Nähen von Taschen wünsche. Die Stoffe sollten nicht mehr als 40 € kosten und einer davon sollte etwas mit Nordlicht zu tun haben (Nordlichtfarben oder ähnliches).

Das Universum lieferte … und das ging so (ich musste hinterher wirklich laut lachen):

Ich ging im Urlaubsort schon in der ersten Woche mit meinem Mann zu Ommedal, einem riesigen Textilgeschäft mit unzähligen Ständern an Damen- und Kinderbekleidung, einer Strickgarnabteilung, einer Hometextilienabteilung … nanu? Früher hatten die doch auch eine tolle Stoffabteilung!!! Ich hatte sogar eine Tasche bei mir, die aus Stoff aus diesem Geschäft genäht ist. 

Mein Mann hatte sich von mir nun auch mal eine Tasche gewünscht, war also mein Co-Wünscher. Uns schwebte gemeinsam ein Stoff in gedeckteren Farben vor mit strengerem Muster, den ich zu einer Herrentasche verarbeiten könnte. Aber es gab ja hier nun keinen Stoff mehr. Für einen Moment war ich sehr enttäuscht.

Was nun?

Wir gingen nochmal durch den ganzen Laden. Dabei sagte ich noch zu meinem Mann (leicht belustigt): „Na, unterschätz mal nicht meine Kreativität!“

Dabei dachte ich an die Tischläufer, Kissen und ähnlichen Textilien am Eingang des Ladens, zu dem wir nun zurückgingen. Daraus kann man nämlich auch Taschen nähen, was ich schon mehrmals getan habe. Meinem Mann gefielen zwei wunderschöne Kissenhüllen. Er schaute auf den Preis. „Nein, komm“, sagte er, “viel zu teuer!“ Ja, die Kissenbezüge waren wirklich sehr teuer. „Komm, lass uns gehen.“

Es fiel mir nicht leicht, den Blick von allem abzuwenden und völlig loszulassen, aber ich dachte an die Tipps aus Pierres Buch und sagte zu mir im Stillen: „Loslassen. Ganz loslassen. Das Universum kennt meinen Wunsch. Es wird schon liefern.“

So gingen wir weiter. Ich wollte auch noch ein Geschenk für meine Nachbarin kaufen, die mir neulich einen großen Gefallen getan hat. Mein Mann wollte schon zurück zum Auto, als ich meinte: „Nee, warte mal, ich gehe mal hier rein, die haben kleine Geschenke.“

Also gingen wir zu Fiolen, einem Geschenkeladen.

Wir schlenderten so durch den Laden, kamen ganz hinten in der letzten Ecke an. Völlig entspannt. Und ich bin sicher, dass das Universum auf diese entspannte Grundhaltung gewartet hatte. Es war gerade mal fünf Minuten her, dass ich völlig losgelassen hatte. Damit war der Weg frei zur Lieferung. Im Nachhinein kann ich wirklich sagen, dass ich meine innere Stimme gehört hatte: Geh aus dem Weg!!!

Und die Lieferung sah dann so aus:

Ich schaute ganz beiläufig in ein Regal. Da lagen allerhand Ladenhüter zu herabgesetzten Preisen. Unter anderem ein Stapel von kleinen Tischdecken (Mitteldecken). Ich zog eine heraus und wusste im selben Moment, dass das MEIN bzw. UNSER gelieferter Stoff war. Der Stoff war schwarz und hatte ein kleines Karomuster aus abwechselnd senkrecht und waagerecht gestreiften Kästchen in der Farbe Beige drauf. Ein strenges Muster, farblich sehr zurückhaltend. Dann schaute ich auf den Preis und fiel fast um. Die Decke sollte statt 19 € nur 6,50 € kosten! Ich fragte meinen Mann, ob ihm eine Tasche aus dem Stoff gefallen würde. Ja, der Stoff gefiel ihm sehr. Dann meinte ich – auch so ganz beiläufig – dass zu dem Stoff für den unteren Bereich der Tasche ein schlicht schwarzer Stoff gut passen könne. “Ja“, meinte mein Mann, „das finde ich auch.“ In dem Moment hatte ich schon die nächste „gelieferte“ Decke in der Hand, die unter der anderen gelegen hatte. Sie war schwarz und hatte nur ganz dezent am Rand applizierte sandfarbige Quadrate, die man sehr gut in das Taschendesign integrieren könnte. Der Preis? Genauso von 19 € auf 6,50 € heruntergesetzt!

Die beiden Mitteldecken, die ich - revantulierend - bereits im Ferienhaus
zu einer möglichen Taschenkonstruktion zusammengestellt habe

Da sagte mein Mann (der den genauen Wortlaut meines im Wunschbuch notierten Wunsches nicht kannte): „Dreh dich mal um …“ Ich drehte mich um und er hielt in der Hand ein Kissen, auf dessen Stoff ein Nordlichtfoto gedruckt war. Es sollte 29,25 € kosten. Damit würde ich meine Wunschkostengrenze überschreiten. Ich addierte die drei Posten und kam auf 42,95 €. Also ließ ich das Kissen liegen, obwohl es die perfekte Lieferung des zweiten Teilwunsches war. Doch sollte ja alles zusammen nicht mehr als 40 € kosten.

Mein Traumkissen - mein Rêvantulikissen!
Wenn ich neue Taschenträume brauche, lege ich mein Haupt auf diesen Kissentraum!
Natürlich werde ich das Kissen nicht zerschnippeln
habe mir stattdessen mein eigenes Nordlicht für meine Tasche geschnippelt.
Das abgebildete Nordlicht sieht genauso aus wie mein erstes Nordlicht,
das ich in Finnland erlebte

Erst im Ferienhaus fiel mir ein, dass ich mit der Summe der drei Preise die Taxfree-Grenze von 315 Nok überschreiten würde und damit würde ich auf der Rückreise beim Verlassen des Landes einen Teil des gezahlten Betrages erstattet bekommen. Ich besuchte den Laden also noch einmal, kaufte das Kissen und ließ mir eine Taxfree-Quittung ausstellen. Nun blieb der Preis deutlich unter 40 €. Genial!!!

Übrigens … das Geschenkelädchen ist tatsächlich BEI Ommedal (in derselben Straße, nur drei Häuser weiter). Das Universum ist in der Tat sehr lustig!


Nach dieser Vorgeschichte nun die Fertigung der Tasche für meinen Schatz:


Ich schneide eine Grundplatte aus dem Kästchenstoff, auf die ich einen Streifen sandfarbiges Leinen nähe, darunter (nach oben hin offen und den Leinenstreifen etwas überlappend) nähe ich aus der zweiten Decke mit den kleinen sandfarbigen Quadraten eine Außentasche, die ich in der Mitte einmal senkrecht teile.




Für die Tragegriffe fertige ich zwei Gurte aus der schwarzen Tischdecke und befestige die Gurte so an der Tasche, dass sie von dem Leinenstreifen etwas überdeckt werden.



Die Gurte werden zusätzlich mit einem Rechteck mit zwei Diagonalen festgenäht. Auf diesem Foto kann man erkennen, dass die Gurte mit Volumenvlies gefüttert sind, so dass man sie beim Tragen angenehmer in der Hand empfindet.




Ein großer Schritt weiter ... die fertige Tasche! Den Boden habe ich durch Abnähen von Dreiecken geformt.




Die Tasche hat auf Vorder- und Rückseite je zwei kleine Außentaschen, auf der Vorderseite dazwischen auch noch ein schmales Fach für einen Stift



Für das Futter habe ich einen feinen Nadelstreifenstoff gewählt (leichter Wollstoff, Sand auf Schwarz), den ich in meinen Vorräten gefunden habe.



Hier kann man die etwas offen stehenden Außentaschen sehen:



Zwei D-Ringe sind schon vorbereitet für einen langen Tragriemen, den man mit Karabinerhaken befestigen oder auch losmachen und aufgerollt in der Tasche verstauen kann. Der Riemen ist noch in Planung. Mir fehlen noch die Wirbelhaken dazu.



Taschenstoff und Futter passen hervorragend zusammen:



Die fertige Tasche mit dem Lieblingsschal meines Mannes: